Für die Zwecke der Grünplanung wurden
verschiedene Ansätze entwickelt, um das Vegetationspotential
einer Fläche quantitativ zu beschreiben. Aus klimatischer Sicht
muss dabei die Uneinheitlichkeit denkbarer Vegetationsformen
(z.B. Grasfläche, Wald, Kartoffelacker, Maisfeld) beachtet
werden (Abb. 6/1b).
Dazu kommt, dass sich die lebende Pflanze ständig
verändert, d.h. sie keimt, wächst, hat Ruhe- und
Vegetationsperioden, wirft das Laub ab oder behält es viele
Jahre, altert und stirbt schließlich ab (GROSSMANN, 1989).
Verschiedene Modelle gehen davon aus, dass
durch eine wie auch immer definierte
"Pflanzen-Mengen-Zahl" das Verhältnis von Vegetation
zur Grundfläche eines Grundstücks ausgedrückt werden sollte.
In diesem Zusammenhang wurden durch POHL et al. (1984) die
"Grünvolumenzahl (GVZ)" und die
"Bodenfunktionszahl (BFZ)" bekannt.
Am Beispiel der "Phytomassenzahl (PMZ)"
nach SCHERER (1973) (siehe GROSSMANN, 1989) kann das Prinzip der
Pflanzenmengenberechnung (Phytomasse) in der Form einer gewissen
Hierarchie der Vegetationsformen abgelesen werden (Tab. 6/1).
| Offener Boden |
0,5 |
| Rasen |
1,0 |
| Wiese |
1,5 |
| Stauden bis 1 m
Höhe |
2,0 |
| Kleingehölze
bis 1 m |
3,0 |
| Hecken bis 2 m |
4,0 |
| Nadelgehölze
bis 3 m |
4,5 |
| Laubgehölze bis
3 m |
5,0 |
| Nadelgehölze 3
m bis 5 m |
6,0 |
| Laubgehölze 3 m
bis 5 m |
7,0 |
| Nadelbäume bis
10 m |
8,0 |
| Laubbäume bis
10 m |
9,0 |
| Nadelbäume
über 10 m |
11,0 |
| Laubbäume über
10 m |
14,0 |
Tab. 6/1: Phytomassenzahlen für
unterschiedliche Vegetationsformen
Die Zuordnung von "Phytomasse" pro
Quadratmeter nicht überbauter Grundstücksfläche zu den
genannten Vegetationsformen soll zugleich deren
Leistungsfähigkeit im Hinblick auf verschiedene
bio-ökologische Komponenten beschreiben, u.a.
Staubfiltereffekt, Verdunstung, Windschutz, Schattenspende.
Aus siedlungsklimatischer Sicht ist anzumerken,
dass es sich dabei um keinen absoluten Wertmaßstab handeln kann
und dass die genannten unterschiedlich ausgeprägten Eigenschaften
nicht losgelöst von der konkreten Standortsituation und der speziellen
Problemstellung als klimatischer Nutzen gelten können. So weisen
beispielsweise nächtlich stark abkühlende Grasflächen (PMZ nur 0,5)
als Bestandteil von Kaltluftentstehungsgebieten (vgl.
Abschnitt 6.2.1) einen durchaus hohen lokalklimatischen Nutzen
auf. Umgekehrt hat der an sich hoch einzuschätzende Wald die nachteilige
Eigenschaft, als Strömungshindernis die Ventilation herabzusetzen.
Gerade dieser "Nachteil" ist es aber, auf dem die Staubfilterwirkung
des Waldes beruht. Im Falle einer Windschattenanpflanzung (vgl.
Abschnitt 3.4.2) oder im Beispiel
der Abb. 6/12 für ein
"verkorktes Hindernis" handelt es sich sogar um einen
gewünschten Effekt, was den schwierigen Umgang mit pauschalen klimatischen
Vor- und Nachteilen aufzeigt.