Ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung
war die Erstellung einer Klimaanalyse-Karte, die die
lokalklimatischen Gegebenheiten in diesem Gebiet als
flächenhafte Übersicht darstellt (Abb. 5/13). Das
bereits beschriebene Datenmaterial, topographische Karten,
Stadtkarten, Flächennutzungsplan und Luftbildplan bilden hierzu
wesentliche Grundlagen.
Die Ausweisung der Klimatope und der Kaltluftsammelgebiete ist
nicht parzellenscharf; es ergeben sich Toleranzen bis zu 100 m,
da sowohl die inhaltliche Festlegung der Grenzen unter
Berücksichtigung von Übergangsbereichen als auch die
Zeichengenauigkeit aufgrund der verwendeten Arbeitsmaterialien
einkalkuliert werden muss. Für genauere Aussagen sind fachliche
Detailgutachten notwendig. Die in den Karten verwendeten
Signaturen und Symbole entsprechen weitgehend der VDI Richtlinie
3787, Blatt 1.
KLIMATOPE
Klimatope beschreiben Gebiete mit ähnlichen
mikroklimatischen Ausprägungen. Diese unterscheiden sich
vornehmlich nach dem thermischen Tagesgang, der vertikalen
Rauhigkeit (Windfeldstörung), der topographischen Lage bzw.
Exposition und vor allem nach der Art der realen
Flächennutzung. Als zusätzliches Kriterium spezieller
Klimatope wird das Emissionsaufkommen herangezogen. Da in
besiedelten Räumen die mikroklimatischen Ausprägungen im
wesentlichen durch die reale Flächennutzung und insbesondere
durch die Art der Bebauung bestimmt werden, sind die Klimatope
nach den dominanten Flächennutzungsarten bzw. baulichen
Nutzungen benannt.
Gewässer-Klimatop
Das Gewässer-Klimatop (insbesondere großflächige
Gewässer) hat gegenüber der Umgebung einen ausgleichenden
thermischen Einfluss durch schwach ausgeprägte Tages- und
Jahresgänge; dort sind die Lufttemperaturen im Sommer tagsüber
niedriger und nachts höher als in der Umgebung. Das
Gewässer-Klimatop zeichnet sich durch hohe Luftfeuchtigkeit und
Windoffenheit aus.
Freiland-Klimatop
Das Freiland-Klimatop weist einen extremen Tages- und
Jahresgang der Temperatur und Feuchte sowie sehr geringe
Windströmungsveränderungen auf. Damit ist eine intensive
nächtliche Frisch- und Kaltluftproduktion verbunden. Dies
trifft insbesondere auf ausgedehnte Wiesen- und Ackerflächen
sowie auf Freiflächen mit sehr lockerem Gehölzbestand zu.
Wald-Klimatop
Das Wald-Klimatop zeichnet sich durch stark gedämpfte
Tages- und Jahresgänge der Temperatur und Feuchte aus. Während
tagsüber durch die Verschattung und Verdunstung relativ
niedrige Temperaturen bei hoher Luftfeuchtigkeit im Stammraum
vorherrschen, treten nachts relativ milde Temperaturen auf.
Zudem wirkt das Blätterdach als Filter gegenüber
Luftschadstoffen, so dass die Waldklimatope als
Regenerationszonen für die Luft und als Erholungsraum für den
Menschen geeignet sind.
Grünanlagen-Klimatop
Innerörtliche, parkartige Grünflächen wirken aufgrund des
relativ extremen Temperatur- und Feuchte-Tagesganges und der
damit verbundenen Kalt- und Frischluftproduktion ausgleichend
auf die bebaute und meist überwärmte Umgebung. Größere
Grünflächen dienen als Ventilationsschneisen. Innerörtliche
Grünflächen mit dichtem Baumbestand stellen durch Verschattung
tagsüber kühle Ausgleichsflächen mit hoher Luftfeuchtigkeit
gegenüber der erwärmten Umgebung dar.
Gartenstadt-Klimatop
Das Gartenstadt-Klimatop umfasst bebaute Flächen mit
offener, ein- bis dreigeschossiger Bebauung und reichhaltigen
Grünflächen. Gegenüber dem Freiland-Klimatop sind alle
Klimaelemente leicht modifiziert, wobei eine merkliche
nächtliche Abkühlung stattfindet und Regionalwinde nur
unwesentlich gebremst werden.
Stadtrand-Klimatop
Das Stadtrand-Klimatop wird durch dichter stehende, maximal
dreigeschossige Einzelgebäude, Reihenhäuser oder Blockbebauung
mit Grünflächen oder durch maximal 5geschossige freistehende
Gebäude mit Grünflächen bestimmt. Die nächtliche Abkühlung
ist stark eingeschränkt und im wesentlichen von der Umgebung
abhängig. Die lokalen Winde und Kaltluftströme werden
behindert, während Regionalwinde stark gebremst werden.
Stadt-Klimatop
Mehrgeschossige geschlossene Bebauung mit wenig
Grünflächenanteilen und freistehenden Hochhäusern prägt das
Stadt-Klimatop. Bei starker Aufheizung am Tage ist die
nächtliche Abkühlung sehr gering. Dadurch entsteht gegenüber
der Umgebung ein Wärmeinseleffekt mit relativ niedriger
Luftfeuchtigkeit. Die dichte und hohe Bebauung beeinflusst die
regionalen und überregionalen Windsysteme in erheblichem
Umfang, so dass der Luftaustausch eingeschränkt ist und eine
insgesamt hohe Schadstoffbelastung besteht. In den
Straßenschluchten sind sowohl hohe Luftschadstoff- und
Lärmbelastungen als auch böenartige Windverwirbelungen
anzutreffen.
Stadtkern-Klimatop
Dichte und hohe innerstädtische Bebauung mit sehr geringen
Grünanteilen führt tagsüber zu starker Aufheizung und nachts
zur Ausbildung einer deutlichen Wärmeinsel bei durchschnittlich
geringer Luftfeuchtigkeit. Die massive Bebauung führt zusammen
mit der ausgeprägten Wärmeinsel zu bedeutender Beeinflussung
der regionalen und überregionalen Winde. Insgesamt besteht eine
hohe Schadstoffbelastung. In den Straßenschluchten treten neben
böenartigen Windverwirbelungen hohe Luftschadstoff- und
Lärmbelastungen auf.
Gewerbe-Klimatop
Das Gewerbe-Klimatop entspricht im wesentlichen dem Klimatop
der verdichteten Bebauung, d.h.: Wärmeinseleffekt, geringe
Luftfeuchtigkeit, erhebliche Windfeldstörung. Zusätzlich sind
vor allem ausgedehnte Zufahrtsstraßen und Stellplatzflächen
sowie erhöhte Emissionen zu nennen. Im nächtlichen Wärmebild
fällt teilweise die intensive Auskühlung im Dachniveau großer
Hallen auf (insbesondere mit Blechdächern), während die von
Gebäuden gesäumten Straßen und Stellplätze weiterhin stark
erwärmt bleiben.
Industrie-Klimatop
Das Industrie-Klimatop ist mit dem Stadtkern- und
Stadt-Klimatop vergleichbar, weist aber großflächige
Verkehrsflächen und weit höhere Emissionen auf
(immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige Anlagen). Bei
intensiver Aufheizung am Tage bildet sich auch nachts aufgrund
der Ausdehnung versiegelter Flächen eine deutliche Wärmeinsel
aus, obwohl die Dächer der Hallen teilweise bemerkenswert
auskühlen. Die am Boden befindlichen Luftmassen sind erwärmt,
trocken und mit Schadstoffen angereichert. Die massiven
Baukörper und die bodennahe Erwärmung verändern das Windfeld
wesentlich.
Bahnanlagen-Klimatop
Das Bahnanlagen-Klimatop ist durch eine intensive Erwärmung
am Tag und eine rasche nächtliche Abkühlung gekennzeichnet;
allerdings liegen die Oberflächentemperaturen dort höher als
im Freiland. Die Gleiskörper sind aufgrund ihrer geringfügigen
Überbauung windoffen und dienen in bebauten Gebieten oftmals
als Luftleitbahnen bzw. Luftaustauschflächen. Ihre
Berücksichtigung als Klimatop erfolgt ab einer Breite von ca.
50 m, d.h. nur im Falle mehrgleisiger Bahnstrecken.
Kaltluftbereiche, Besonderheiten der
Reliefstruktur
Die Belüftung der Siedlungsgebiete durch Kaltluftfluss hat
eine wesentliche Funktion insbesondere während austauscharmer
Wetterlagen. Deshalb sind die Kaltluftentstehungs- und
Kaltluftsammelgebiete, welche die nächtliche Frischluftzufuhr
bewirken, in dieser Karte besonders gekennzeichnet. Weitere
Darstellungen sind Kaltluftstaubereiche, Verengungen in Tälern,
Hangabwinde, Berg- und Talwinde und Luftleitbahnen für
regionale Winde sowie Angaben zur Luftbelastung.
Belastungen durch Verkehrsemissionen
Die Hauptverkehrsstraßen wurden anhand der
durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärken (DTV), die
aktuellen Zählungen und Berechnungen entnommen sind, in drei
Gruppen unterteilt und durch die Breite der Rasterbänder
differenziert dargestellt.
Mittels Piktogrammen sind Gebiete erhöhter
Hausbrand- bzw. Verkehrsemissionen, intensiv emittierender
Betriebe sowie Gebiete mit hoher Staubemission und
Wärmebelastung (Abgrabungen)
in den jeweiligen Klimatopflächen gekennzeichnet. Weitere
Piktogramme weisen auf lokale Besonderheiten hin, die für die
betreffenden Flächen Bedeutung haben.
Das Piktogramm Immissionsbelastung hebt
Gebiete mit hoher Schadstoffbelastung in
bodeninversionsgefährdeten Bereichen hervor. Dabei handelt es
sich um stark abkühlende Kaltluftsammelgebiete, die aufgrund
nahegelegener Schadstoffemittenten hohe Luftbelastungswerte
aufweisen.
In bodeninversionsgefährdeten Gebieten und
Tallagen entsteht häufig Boden-/Talnebel. Die Signatur abgehobene
Inversion bezieht sich auf ausgedehnte und dominante
Wärmeinseln in bebauten Gebieten. Durch die relativ hohe
Oberflächentemperatur und die damit verbundene Turbulenz bildet
sich keine Bodeninversion (vgl. Abb. 3/20 in
Kap. 3.3.2);
die Inversionsuntergrenzen liegen folglich einige Dekameter
über Grund.
Die Windfeldveränderungen weisen auf
hohe Gebäude (Hochhäuser mit mindestens 10 Geschossen) oder
besondere Geländeerhebungen (Auffüllberge, Halden) hin, an
denen die Windgeschwindigkeit gebremst, die Windrichtung
umgelenkt und die Strömungsturbulenz erhöht wird.
Die Windrose stellt die prozentuale
Verteilung der Windrichtungshäufigkeit im Jahresmittel an einem
Messpunkt dar.
Die Luftbelastungswindrose kombiniert die
oben beschriebene Windrose mit Immissionsmessungen und gibt die
mittlere gemessene Schadstoffkonzentration unter dem Einfluss
der jeweiligen Windrichtung an.