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3. Energiebewusste Bauleitplanung
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3.4       Der Wind als Einflussgröße energiebewusster Planung

Wie alle meteorologischen Parameter ist auch der Wind keine von der Sonnenstrahlung unabhängige Einflussgröße. Da der Wind mechanische Kräfte zerstörerischen Ausmaßes auszuüben vermag und seine Wirkung u.a. Verwehung, Mischung und Transport luftfremder Stoffe umfasst, kommt dieser Größe gerade im Bauwesen und in der Energiewirtschaft eine besondere Bedeutung zu. Dies schlägt sich auch in den traditionellen und heute perfektionierten Formen der Windkraftnutzung nieder. Im Zusammenhang mit dem energiebewussten Planen und Bauen im Sinne dieser Fibel geht es jedoch nicht um die Windkraftnutzung, sondern um die Eigenschaft des Windes, durch Wärmeübergang und Wärmetransport den Wärmebedarf von Räumen wesentlich zu beeinflussen. Über Fugen bzw. Undichtigkeiten in den Außenbauteilen bestimmt der Wind auch die Luftwechselrate von Räumen. Dabei möglicherweise auftretende Zugbelästigungen können von den jeweiligen Raumnutzern im Interesse eines behaglichen Aufenthalts oft nur durch übermäßiges Heizen ausgeglichen werden, weshalb die ENEV (2007) die Fugendurchlässigkeit von Türen und Fenstern beschränkt. (Begrenzung der Lüftungswärmeverluste).

In der DIN 4701 (Regeln für die Berechnung des Wärmebedarfs von Gebäuden) wird dem Faktor Wind durch die Parameter "Lage" (normal oder frei), durch die "Gegend" (windschwach oder windstark) und die "Bauart" (Einzel- oder Reihenhaus) Rechnung getragen.

Die mittleren Windgeschwindigkeiten umfassen in Deutschland die Spanne von 2 m/s bis 7 m/s, was sich ganz erheblich auf den Heizwärmeverbrauch auswirkt. Nach OHLWEIN (1979) und LOESCHCKE (1988) konnte gezeigt werden, dass pro 1 m/s Windgeschwindigkeitserhöhung (im Mittel) ein Heizwärmemehrverbrauch von 4% bis 9% anzusetzen ist.

Im folgenden sollen die Informationen vermittelt werden, die es ermöglichen, eine Standortsituation bzgl. ihrer Windverhältnisse zu beurteilen. Im Interesse einer energiesparenden Bebauung geht es dabei um möglichst windschwache, turbulenzarme Standorte.

Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch, dass dieser Aspekt oft mit den Belangen der Luftreinhaltung und der stadtklimatischen Frage optimaler Durchlüftung konkurriert. Gerade im windschwachen Südwesten Deutschlands hat das Argument, durch ausreichend belüftete Standortflächen den Nachteilen allgemeiner Austauscharmut wie Luftverschmutzung, Schwüle und Nebelhäufigkeit zu begegnen, großes Gewicht.

Es sollte deshalb bei Berücksichtigung der energetischen Einflussgröße Wind das Hauptaugenmerk darauf gelegt werden, extrem ungünstige, d.h. besonders windexponierte Standorte bzw. besonders wind-anfällige Bauweisen zu vermeiden. Durch die Untersuchung von Planungsalternativen wären dann gegebenenfalls Kompromisse mit anderen Planungsfaktoren herzustellen.

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Abb. 3/22a: Windmessgerät (Schalenkreuz-Anemometer)

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Abb. 3/22b: Windmessungen: Stan-
dardmäßig gemessen in 10 m Höhe
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Städtebauliche Klimafibel Online, Stand: 22.11.2007
© Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz Stuttgart
 
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