Die Vegetation, insbesondere der Wald, übt
zudem eine große Filterwirkung aus. So hat die Waldluft 200 bis
1000 mal weniger Staub und Rußpartikel als die Luft in
Städten. Auch zeigen sich in innerstädtischen Parkanlagen
deutlich geringere Staubbelastungen als in den Bauquartieren.
Dies unterstreicht die hohe stadtklimatische Bedeutung von
innerstädtischen Grünflächen.
Gemeinsame Eigenschaft sämtlicher
Vegetationsformen ist die Verhinderung der Bodenversiegelung,
der sich konkrete klimatische Auswirkungen zuordnen lassen:
Über bebauten, versiegelten Oberflächen
verdunsten nur kleinere Wassermengen. Dies ist ein sehr
wesentlicher Faktor für den Temperaturüberschuss bebauter
Gebiete. Die Abflussbeiwerte zur Ermittlung des
Regenwasserabflusses gem. DIN 1986 Teil 2 zeigen, dass bei
Pflaster mit Fugenverguss, Schwarzdecken oder Betonflächen 90 %
des Niederschlagswassers in die Kanalisation abfließen (vgl.
Kap. 6.1.4, Tab. 6/2).
Der Einfluss der zur Verdunstung nicht zur
Verfügung stehenden Wassermengen auf die Lufterwärmung wird
durch folgenden Vergleich deutlich: Zur Verdampfung von 1 l
Wasser sind bei normalem Luftdruck ca. 2250 kJ erforderlich. Mit
der gleichen Wärmemenge können aber 100 m³ Luft um 18 Grad
erwärmt werden.
Aufgrund von untersuchten Zusammenhängen
zwischen Versiegelungsgrad und Temperaturzuwachs (BRÜNDL et
al., 1986) kann der thermische Wirkungskomplex einer Aufsiedlung
mit umfangreicher Oberflächenversiegelung wie folgt
abgeschätzt werden.
Der langfristige Mittelwert der
Lufttemperatur im Baugebiet steigt nach Vollzug aller
Baumaßnahmen je 10 % Versiegelungsgrad um ca. 0,2 Grad über
die Temperatur der unbebauten Umgebung. Bei
Strahlungswetterlagen erhöht sich je 10% Versiegelungsgrad die
mittlere Tagesmitteltemperatur um 0,3 bis 0,4 Grad, das mittlere
Tagesmaximum um ca. 0,3 Grad und das mittlere Tagesminimum der
Lufttemperatur um 0,5 bis 0,6 Grad (Abb. 2/6).
Wegen des im wärmeren Baugebiet verminderten
Wasserdampfdrucks stellt sich zur feuchteren und kühleren
Umgebung ein starker Dampfdruckgradient und ein entsprechendes
Verdunstungspotential ein, was als sog. Oasen-Effekt am Rande
des bebauten Gebietes die Lufttemperatur geringer ansteigen lässt
und gleichzeitig die Verdunstung im benachbarten feuchteren
Gebiet erhöht. Insofern übt die eine Grünfläche umgebende
Bebauung eine nachteilige "Fernwirkung" auf die in
städtischen Ballungsräumen oasenartig eingestreuten
Grünflächen aus.
Die Sauerstofferzeugung durch
Vegetationsflächen ist in quantitativer Hinsicht und bzgl.
ihrer Bedeutung für den Menschen umstritten (ROBEL, 1975;
BERNATZKY, 1985; MÜRB, 1992):
Man kann davon ausgehen, dass der
Sauerstoffanteil des Gasgemisches Luft seit etwa 200 Mio. Jahren
konstant etwa 21% beträgt. Folglich muss seither ein
bemerkenswert stabiles Gleichgewicht zwischen der
assimilatorischen Sauerstofferzeugung und den
sauerstoffverbrauchenden Prozessen bestehen. Letztere haben
infolge technisch-industrieller Verbrennungsvorgänge in der
Gegenwart stark zugenommen. Der Sauerstoffverbrauch durch
Lebewesen und technische Prozesse wird jedoch über
Luftaustauschbewegungen immer wieder so schnell ausgeglichen, dass
im Lebensbereich von Mensch und Pflanze nur
Konzentrationsschwankungen von 1/100 bis 1/1000 Volumenprozent
beobachtet werden. Schwankungen dieser Größe sind jedoch für
die sauerstoffverbrauchenden Tiere und Menschen ohne Bedeutung.
Für die Wirksamkeit der Atmung ist nämlich der
Sauerstoffpartialdruck ausschlaggebend, welcher sich
entsprechend dem Luftdruck verändert. Daraus folgt, dass
größerer Luftdruckfall bei Wetterumschlag, insbesondere aber
bei Aufenthalten in größerer Höhe weitaus atmungswirksamer
ist als die geringfügigen Konzentrationsschwankungen des
Sauerstoffs in der Luft.
Bei der Assimilation nehmen die
chlorophyllhaltigen Pflanzen Kohlendioxid aus der Luft auf und
setzen Sauerstoff frei. Um den Sauerstoff-Jahresbedarf eines
Menschen zu decken, muss eine Pflanzenbestandsfläche von etwa
130 m² über den ganzen Sommer assimilieren, wenn man für den
Quadratmeter pflanzenbestandener Bodenfläche eine jährliche
Sauerstoffproduktion von 2 kg ansetzt. Nach BERNATZKY (1985),
weist eine 100jährige freistehende Buche von 25 m Höhe eine
äußere Blattfläche von 1.600 m² auf, so dass sich eine
Sauerstoffproduktion für 10 Menschen pro Jahr ergibt.
Nicht unberücksichtigt bleiben darf jedoch,
dass der Sauerstoff, den die Pflanzen beim Prozess der
Photosynthese freisetzen, kein bleibender Gewinn für die
Atemluft ist. Etwa ein Drittel davon wird beim Vorgang der
pflanzlichen Atmung verzehrt, wobei die Pflanzen unter Aufnahme
von Sauerstoff organische Substanz abbauen, während die
verbliebenen zwei Drittel bei der Zersetzung abgestorbener
pflanzlicher Substanz in längeren Abbauvorgängen verbraucht
werden. Ein dauerhafter Sauerstoffgewinn kann nur stattfinden,
wenn es zu langfristigen Konservierungen organischer Substanz
kommt, was z.B. bei der Bildung von Kohle- und
Erdölablagerungen der Fall war. Produktionsstätten für
Sauerstoff mit positiver Bilanz sind vor allem die Ozeane: Ihr
Phytoplankton liefert rd. 70% des auf der Erde verbrauchten
Sauerstoffs. Die restlichen 30% kommen von den Landpflanzen und
hier besonders von den großen kontinentalen Waldgebieten.
Unsere Grünflächen und Wälder haben nur eine örtlich
begrenzte, stabilisierende Wirkung auf den Sauerstoffgehalt der
Luft, die bei der Vielzahl bodennaher Feuerstätten und
Verbrennungsmotoren aber nicht vernachlässigt werden darf. Es
sollte allerdings vermieden werden, die städtischen Parkanlagen
und Grünflächen als Lungen der Stadt zu bezeichnen, da ihre
diesbezügliche Funktion nur gering ist.
Aufgrund des Wärmeinseleffektes in Städten
ist die relative Luftfeuchtigkeit dort geringer als im Umland,
wenngleich sich die absolute Feuchte insbesondere durch die
Einbringung von Wasserdampf durch Verbrennungsprozesse vom
Umland nur gering unterscheidet. Im Jahresmittel ist die Feuchte
in der Stadt um ca. 6 % geringer als im Umland. Besonders große
Unterschiede sind bei der Taubildung vorhanden (in den Städten
bis zu 65 % weniger). Abbildung
2/7a zeigt als Beispiel
die gemessene Feuchteverteilung im Stadtgebiet von Karlsruhe an
heiteren windstillen Sommerabenden (FIEDLER, 1979).
Im Gegensatz zu früheren Literaturhinweisen
ist in Städten die Nebelhäufigkeit, bedingt durch den
verstärkten Wärmeinseleffekt und den starken Rückgang der
Staubbelastung, gegenüber dem Umland inzwischen geringer. Auch
hat die mittlere Sichtweite in den Städten erheblich
zugenommen.
In den Städten ist die Niederschlagsmenge,
die Schauertätigkeit und die Zahl der Regentage um 5 bis 10 %
größer, die Zahl der sommerlichen Gewittertage um 15 bis 20 %.
Dabei tritt der stärkste Niederschlag vor allem im Lee der
Städte auf (Abb. 2/7b). Verstärkte Hageltätigkeit konnte bisher über
Stadtgebieten in der Bundesrepublik nicht nachgewiesen werden
(VDI/SPRINGER, 1988). Tage mit Schneefall sind in Städten
weniger häufig als in der freien Landschaft, auch bleibt der
Schnee dort infolge der höheren Temperaturen weniger lang
liegen.