Hinsichtlich der Temperatur tragen Städte
stets zu einer Erwärmung bei, was jedoch nicht unbedingt eine
negative Eigenschaft des Stadtklimas sein muss. Städte sind im
Jahresmittel um 1 bis 2 Grad wärmer als die sie umgebende
Landschaft. Besonders große Temperaturunterschiede treten
jedoch in Strahlungsnächten bei den täglichen Temperaturminima
auf.
Abbildung 2/3 zeigt diesen
Zusammenhang für europäische Städte in Abhängigkeit von der
Stadtgröße. Für Millionenstädte kann der maximale
Temperaturunterschied über 10 Grad betragen. Man erkennt aber
auch, dass bei kleineren Städten durchaus ein merkbarer
Wärmeinseleffekt feststellbar ist.
Untersuchungen in München (BRÜNDL et al,
1986) haben gezeigt, dass die Temperaturen in den
Stadtquartieren stark vom Versiegelungsgrad abhängen. So steigt
bei einer Zunahme des Versiegelungsgrades um 10 % die mittlere
Jahrestemperatur um 0.2 Grad.
Eine wahrnehmbare positive Wirkung übt
dieses generell höhere Temperaturniveau der Städte auf die
innerstädtische Vegetation aus. Die Wirkung kommt im
Vorhandensein zahlreicher wärmeliebender
Unterschiedliche Bodenoberflächenarten
erwärmen sich bei windschwachem Wetter an wolkenlosen
Sommertagen recht unterschiedlich. Dies hängt vom
Absorptionsvermögen, aber auch von der Wärmekapazität,
Wärmeleitfähigkeit und der Verdunstungsfähigkeit des
Untergrundes ab.
Während beispielsweise Asphalt 80% bis 90%
der einfallenden Strahlung absorbiert, beträgt dieser Anteil
bei einer weißen Mauer nur 20% bis 35%. Ergebnisse von
Temperaturmessungen schwanken zwischen weniger als 30 °C und
fast 50 °C (LORENZ, 1973).
Den Tagesgang der Temperatur verschiedener
Materialien und Oberflächen an einem Hochsommertag zeigt die Abbildung
2/4 nach FEZER (1975).
Außer den Materialeigenschaften der
Oberflächen ist für die Temperaturverhältnisse in einer Stadt
die Gebäudeanordnung und Gebäudehöhe von Bedeutung. In sehr
engen Straßenschluchten kommt es zu Verschattungseffekten, was
zu einer Verzögerung der Erwärmung im Straßenraum führt.
Durch die Horizontverengung ist jedoch auch die
Wärmeabstrahlung der Oberflächen vermindert, was eine
Verringerung der nächtlichen Abkühlung in Straßen bewirkt.
Das Zusammenspiel der genannten Faktoren
führt innerhalb der Stadt mit ihren unterschiedlichen
Strukturen und Bebauungsdichten zu einem Mosaik
unterschiedlicher thermischer Mikroklimate, die sich gegenüber
dem Umland zu einer deutlich abgegrenzten Wärmeinsel bzw. einem
Wärmearchipel zusammenfügen.
Erkennbar sind diese Gegebenheiten in
infraroten Wärmebildern (z. B. Thermalkarte des
Nachbarschaftsverbandes Stuttgart , Abb. 5/1) anhand der
räumlich stark differenzierten Oberflächentemperaturen.
Die Ausprägung der Wärmeinsel in Stuttgart
zeigen auch die folgenden Darstellungen (Abb. 2/5a)
und (Abb. 2/5b) der
Temperaturverteilungen im Sommer und im Winter (HAMM, 1969 Internetseite). Im
Sommer wie auch im Winter ist nach derselben Untersuchung der Wärmeinseleffekt in
gleicher Größenordnung zu beobachten. Die größten Temperaturunterschiede
betragen in Stuttgart zwischen der Innenstadt und den Randzonen
des Stadtkessels ca. 6 Grad.